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Brexit: Was wird aus Taxi4horses?

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 BeitragVerfasst: Mi 18. Jan 2017, 11:38   
Rennleitung

Registriert: Mo 1. Nov 2010, 12:11
Beiträge: 776
Pferdetransport-Unternehmer Günther Schmidt wird sicherlich gestern die Rede von Großbritanniens Premierministerin aufmerksam verfolgt haben, stellen doch die regelmäßigen Fahrten nach England einen Eckpfeiler des Geschäftsmodells von Taxi4horses dar. Viel schlauer wird Schmidt nach dem 12 Punkte-Plan von Theresa May aber auch nicht sein. Vieles in dem Plan bleibt unklar oder gar widersprüchlich. Einen harten Brexit will die Regierungschefin, andererseits aber auch Freihandel mit dem Kontinent. Die Quadratur des Kreises.

Sicher ist bisher nur dies:
1) Im März 2017 wird Großbritannien den Antrag auf Austritt bei der EU einreichen.
2) Zumindest bis Ende März 2019 wird dann rechtlich erst einmal alles beim Alten bleiben.

Was ab April 2019 passiert, wird bis zum Schluss offen bleiben. Der EU-Vertrag sieht eine zweijährige Übergangsfrist bis zum Wirksamwerden des Austritts vor. Sollte bis zum Frühjahr 2019 kein neues Abkommen zwischen der EU und Großbritannien zustande kommen, wäre Great Britain automatisch exkommuniziert. Eine Fristverlängerung ist zwar nach dem EU-Vertrag möglich, aber nur dann, wenn sich beide Seiten einig sind. Davon kann man nicht unbedingt ausgehen. Ich wage die Prognose, dass es nicht gelingen wird, innerhalb der zweijährigen Frist ein neues Abkommen auszuhandeln. Selbst nach dem vergleichsweise einfachen EU-Austritt von Grönland dauerten die Verhandlungen wesentlich länger.

Die Zeit ab April 2019 ist für Taxi4horses also mit einigen Unsicherheiten behaftet. Mit ziemlicher Sicherheit wird das Procedere an der Grenze dann bürokratischer, zeitaufwändiger und teurer. In einem anderen Thread dieses Forums wollten mir mehrere Teilnehmer nicht glauben, wie umständlich Pferdetransporte in der Zeit vor dem Schengen-Abkommen abliefen. Es war tatsächlich so, dass Josef Vanas Pferde auf dem Weg nach Meran damals oft länger an der böhmisch-bayerischen Grenze in der Hitze auf das Eintreffen des Amtstierarztes warten mussten und sich die Transportzeit deutlich verlängerte. Diese Erfahrung wird in ein paar Jahren auch Günther Schmidt beim Weg auf die Insel machen. Ganz früher zu Zeiten von Sven von Mitzlaff waren sogar unterschiedliche Zollpapiere für jede einzelne EU-Grenze nötig. Deshalb liefen seinerzeit so wenige deutsche Pferde in Frankreich, weil sie auf dem Weg von Köln über Belgien nach Paris gleich zwei Staatsgrenzen passieren mussten.

n-tv.de:
Theresa May's 12 Punkte-Plan
1. Die Regierung will Sicherheit liefern. Die britische Regierung will während der Austrittsverhandlungen so transparent wie möglich sein.
2. May will den völligen Austritt aus der EU-Rechtsprechung.
3. May will die vier Nationen des Königreichs stärker verbinden.
4. Die bereits seit 1923 bestehende "Common Travel Area" zwischen Irland und Großbritannien soll bestehen bleiben und gepflegt werden.
5. Großbritannien soll die Zuwanderung aus der EU selbst regulieren können.
6. EU-Bürger sollen weiterhin im Vereinigten Königreich arbeiten und leben können, Briten umgekehrt frei in der EU.
7. Arbeitnehmern in Großbritannien soll das Leben erleichtert werden.
8. May kündigt an, ein umfassendes Freihandelsabkommen mit der EU zu verhandeln.
9. Das Vereinigte Königreich soll in der Welt als globale und handelsfreudige Nation gesehen werden.
10. Für Fortschritt in der Wissenschaft, Forschung und Technologie möchte das Vereinigte Königreich besonders eng mit der EU zusammenarbeiten.
11. Mit der EU will Großbritannien weiterhin im Kampf gegen Verbrechen und Terrorismus zusammenarbeiten.
12. Diese Schritte sollen stufenweise angegangen werden.


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 BeitragVerfasst: Mi 18. Jan 2017, 13:00   
Rennleitung

Registriert: Fr 19. Nov 2010, 21:54
Beiträge: 7885
Wohnort: münchen
bis 2019 wird es diese geister-EU nicht mehr geben. und überraschenderweise wird daran keiner sterben. außer vielleicht so ein paar trittbrettfahrer dieser subventionsabgreiferbande. hoffentlich, nicht schade drum. und, pferdetransporte gab es auch schon zu wirklich europafreundlichen, nicht eu-seuchigen, zeiten ...


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 BeitragVerfasst: Fr 9. Jun 2017, 12:28   
Rennleitung

Registriert: Mo 1. Nov 2010, 12:11
Beiträge: 776
Der Brexit und die Auslands-Rennsportler

Peter Haley und seine Frau Sara stammen aus der Grafschaft Yorkshire, wo er früher als Bauunternehmer tätig war und nebenher einige Galopper als Besitzertrainer vorbereitete. Die Haleys verbrachten ihren Urlaub immer gern an der spanischen Costa del Sol, weil das Klima toll ist und weil viele englische Landsleute dort ständig leben. Die Costa del Sol = „England mit Sonne“, das Beste der zwei Welten sozusagen. Das Paar war darum auch hocherfreut, als sie Ende der Neunziger Jahre hörten, dass in Mijas eine Galopprennbahn eröffnet werden sollte. Im Jahr 2000 war Peter Haley dann als erster Coach vor Ort und das als Public-Trainer viele Jahre mit großem Erfolg. Auch nach der Schließung der Rennbahn vor ein paar Jahren blieben die Beiden, weil sie inzwischen eine eigene Immobilie in Rennbahn-Nähe besaßen. Auch jetzt noch betreut der Engländer vor Ort einige wenige Vollblüter, obwohl die veränderten Bedingungen ein Training von Rennpferden nur noch eingeschränkt zulassen.

Seitdem Großbritannien den Austritt aus der EU mit Wirkung zum 1. April 2019 erklärt hat, tickt die Uhr unerbittlich runter. Nicht nur für die Haleys in Spanien, sondern genauso für Dave Richardson und seine Frau in Krefeld sowie für viele weitere Engländer im deutschen Turf. Werden sie im April 2019 mit einem schnöden Fußtritt zurück über den Ärmelkanal befördert? Das fällt schwer zu glauben, weil es menschlich so grausam wäre. Die Richardsons leben ein halbes Jahrhundert legal in Deutschland und haben mit ihren Steuern zum Gedeihen unseres Gemeinwesens beigetragen. Zweckoptimismus ist durchaus gerechtfertigt. Sowohl die britische Regierung als auch die EU-Kommission haben erklärt, dass das Bleiberecht für Auslandsbürger zeitlich als erste Priorität bei den Verhandlungen auf der Agenda steht. Das Problem ist nur, dass wir in einer turbulenten Zeit leben, in der ständig Unvorhergesehenes passiert. Die für gestern angesetzten Neuwahlen waren überraschend, und auch der daraus resultierende Verlust der absoluten Mehrheit der Regierung war überraschend. Wer weiß, was politisch, wirtschaftlich und militärisch in den nächsten zwei Jahren noch alles passiert und die Aufmerksamkeit der Politiker in Anspruch nimmt.

Haley, Richardson & Co. müssen beim Abreißen jedes Kalenderblatts schon etwas nervös werden. Die EU-UK-Verhandlungen müssen bereits im Oktober 2018 erfolgreich abgeschlossen sein, weil anschließend noch die Parlamente zustimmen müssen. Dieser Zeitplan wird unmöglich einzuhalten sein. Selbst beim vergleichsweise einfachen EU-Austritt von Grönland dauerten die Verhandlungen fünf Jahre, und Großbritannien ist ein ganz anderes Kaliber. Die britischen Rennsportler dürfen aber darauf hoffen, dass vielleicht zumindest ein baldiges Teil-Abkommen bezüglich des Bleiberechts der Auslandsbürger ausgehandelt wird.


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