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Der Strategie-Plan von France Galop

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 BeitragVerfasst: Mi 7. Jun 2017, 11:45   
Rennleitung

Registriert: Mo 1. Nov 2010, 12:11
Beiträge: 1015
Wo stehen wir, und wo wollen wir hin? Diese Frage haben sich die Dachverbände France Galop und Le Trot zusammen mit ihrer Wettorganisation PMU gestellt und auch beantwortet – in einem 60 Seiten starken Dokument, das vor allem den Zweck hat, die künftige Lobbying-Arbeit gegenüber der französischen Politik inhaltlich zu gestalten. Wenn man Andere von etwas überzeugen will, muss man erst einmal selber wissen, was man eigentlich genau erreichen möchte. Und das haben sich France Galop und Co. bis zu den Nachkommastellen überlegt. Aus der Fülle an Themen habe ich einige herausgegriffen.

Die aktuelle Situation
Der französische Pferderennsport sorgt für 76.000 direkte Arbeitsplätze – zweifellos das stärkste Argument, wenn man Politiker beeindrucken will. Als Folge seiner massiven weltweiten Expansion konnte der PMU im letzten Jahr mit seinen Filialen und Partnern im Ausland allein dort einen Umsatz von einer Milliarde Euro erwirtschaften. Seit der Einführung der Sportwetten 2010 hat der französische Turf jedoch wachsende Probleme: Die Sportwettenumsätze steigen ständig, während es mit Pferdewetten bergab geht. Im Jahre 2013 überholten im stationären Wettgeschäft (d.h.in den Shops, nicht im Internet) die Sportwetten die Pferdewetten erstmals, und seitdem geht die Umsatzschere in wachsendem Maße auseinander. Also Alarmstufe Rot bei France Galop. Man weiß, dass man um die Existenz kämpft.

MwSt. für Rennstallbesitzer
Es wird beklagt, dass zum Jahresbeginn 2014 die Mehrwertsteuer (TVA) für die Rennstallbesitzer von 7 % auf den allgemeinen Satz von 20 % angehoben wurde. Jetzt erwartet France Galop von der Politik allen Ernstes, dass auch die Hobbybesitzer für TVA-Zwecke den Vorsteuer-abzugsberechtigten Gewerbetreibenden gleichgestellt werden. De facto würde die TVA für die Hobbybesitzer dann von 20 % auf Null heruntergehen. Man muss nicht Sahra Wagenknecht heißen, um so ein Ansinnen als dreist zu empfinden, wenn reiche Leute ihr Hobby teilweise vom Staat finanziert haben wollen.

Wettsteuer
Auch bei der Wettsteuer will man durch Veränderungen bei den Stellschrauben die Lage gegenüber den Sportwetten verbessern. France Galop möchte, dass der Staat die Steuer für Sportwetten von derzeit 5,7 % auf 9,8 % heraufsetzen solle und im Gegenzug die Steuer für Pferdewetten von aktuell 5,3 % auf 4,1 % senken solle. Ob man einen Politiker mittlerer Art und Güte von der Sinnhaftigkeit dieses Vorhabens überzeugen kann? Ich habe meine Zweifel.

Ausschüttungsquote
Der Staat soll zudem die Ausschüttungsquoten im stationären Wettgeschäft von Sportwetten (75,5 %) und Pferdewetten (73,8 %) angleichen, um die Attraktivität der Pferdewette zu erhöhen. Anders als in Deutschland wird in Frankreich noch 80 % des PMU-Umsatzes im stationären Wettgeschäft gemacht.

Wettprovisionen
Die meisten stationären PMU-Vertriebspartner wie etwa Bistros bieten auch Sportwetten an. Allerdings sind die Provisionen für diese Betreiber unterschiedlich: bei Sportwetten 5,2 %, bei Pferdewetten dagegen nur 2 %. Als Geschäftsleute haben die Bistro-Besitzer also ein größeres Interesse daran, Sportwetten zu verkaufen. France Galop sieht die Gefahr, dass die Pferdewetten gegenüber den Sportwetten die Wettbewerbsfähigkeit verlieren – die italienische Krankheit sozusagen. Das Negativ-Beispiel Italien taucht im Strategie-Papier immer wieder auf. Aus dieser Quelle stammen übrigens auch die erschreckenden Zahlen, die ich im Italien-Thread veröffentlicht habe.

Innovationen
Man plant, ab 2018 künftig zwei neue Wettarten pro Jahr einzuführen. Gedacht wird dabei auch an innovative Ansätze wie Head-to-Head-Jockeywetten und an eine Jockey-Dreierwette (welche drei Jockeys am Ende des Renntages die meisten Punkte gesammelt haben). Ungewohnt für deutsche Ohren klingt sicher das Wetten auf „instant races“, wie es schon in vier US-Bundesstaaten möglich ist. Falls der französische Staat es erlaubt, möchte auch der PMU auf zwanzig Rennbahnen Wettautomaten aufstellen, mit denen auf frühere Pferderennen mit anonymisierten Renndaten gezockt werden kann. Wie das in der Praxis funktioniert, weiß ich nicht, aber in Amerika scheint es umsatzmäßig zu laufen.

Eine weitere Innovation soll darin bestehen, auf den Rennbahnen und in den Wettshops 16.000 neue Terminals für bargeldloses Wetten aufzustellen. Als Beitrag für den Kampf gegen Geldwäsche – Thema stufenweise Abschaffung von Bargeld. Der PMU handelt dabei auch als Konsequenz auf die EU-Geldwäscherichtlinie (siehe den Thread an anderer Stelle dieses Forums). Man bittet die französische Politik diesbezüglich bei der ID-Kontrolle für Einsätze oberhalb von 2.000 Euro und bei der Kontrolle der Wettgewinne noch um Aufschub bis zum 1. 1. 2019 und will bis dahin die 16.000 Wettautomaten der neuen Generation installiert haben.

Fazit
Dass man sich in Paris die Mühe gemacht hat, eine derart umfassende Bestandsaufnahme durchzuführen, ist aller Ehren wert und nicht nur richtig, sondern angesichts der schwierigen Lage auch alternativlos. Ein Vorbild für das Kölner Direktorium. Das wichtigste Argument des Franko-Rennsports besteht darin, dass man anders als der Sportwettensektor für viele Arbeitsplätze sorgt. Ob die Schwerpunkte des Strategie-Papiers immer richtig gesetzt sind, hm... Beispielsweise wird das wichtige Thema „Sponsoring“ in einem einzigen kurzen Satz abgehandelt, spielt also keine große Rolle. Auf der anderen Seite möchte man den Rennstallbesitzern mit staatlicher Hilfe einen Turf ohne Mehrwertsteuer servieren. Man sieht, die Vertreter des Besitzer-zentrierten Rennsports leben nicht nur in Blankenese... Unter dem Strich enthält das Strategie-Papier viele gute Initiativen, aber auch einige fragwürdige Positionen. Die Zukunft des französischen Pferderennsports bleibt somit ungewiss.


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 BeitragVerfasst: Mi 7. Jun 2017, 12:24   
Rennleitung

Registriert: Mo 1. Nov 2010, 08:37
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@Racingman,
Ihre Ausführungen zur USt zeigen nicht gerade ein tiefes Verständnis der ganzen Systematik. Wo ist denn der Unterschied (steuerlich) von einem "Hobbybesitzer" und einem sog. Grossbesitzer?? Das müssen Sie irgendjemand einmal schlüssig erklären können. Die Gedankenakrobatik des BFH, mit dem man ein Rennpferd zu einem reinen Statussymbol erkoren hat ist schon mehr als abenteuerlich. In der USt ist ganz allein entscheidend, ob jemand nachhaltig am wirtschaftlichen Verkehr teilnimmt, oder nicht. Irgendwelche Gewinnerzielungsabsichten und ähnlich here Ziele bleiben da völlig aussen vor.

Nun kommen wir zu dem Kernpunkt, es gibt doch damit gar keinen Unterschied zwischen Kleinen und Grossen im Rennsport. Beide bewerben sich nachhaltig um die jeweils ausgelobten Rennpreise, werden aber völlig unterschiedlich behandelt.

Insofern ist das Vorgehen der Franzosen nicht mehr als recht und billig. Alles andere, so auch Ihre Ausführungen sind ideologisches Geschwafel. Hier kümmert sich niemand darum, da die kleinen Besitzer in Wirklichkeit überhaupt keine Lobby haben. Kein Wunder, dass diese immer weniger werden!!!


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 BeitragVerfasst: Mi 7. Jun 2017, 16:33   
Rennleitung

Registriert: Do 9. Dez 2010, 19:06
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Also ersteinmal sehr vielen Dank an Racingman für seine Informationen, an die wir so sonst oftmals nicht herankommen würden. Das ist wirklich eine Bereicherung des Forums.

Dass Racingman ein Traum-Kommunist ist, der zudem eine gehörige Portion Neid auf die "Reichen Rennpferdebesitzer" hegt, wissen wir seit vielen Postings. Und ja, seine Idiologie zwischen den Zeilen verdrängt manchmal gute Journalisten-Arbeit. Da bleiben auch einmal ein paar korrekte Schlüsse auf die Besteuerung auf der Strecke, denn verstehen wird er es wohl schon. Hier muss ich CarpeDiem recht geben. Trotzdem hoffe ich weitere Infos vom Kommunisten-Rennmann zulesen. :roll:
CarpeDiem muss ich allerdings den Vorwurf machen, dass er die Italo/Franz Steuerproblematik jetzt mit deutscher Fiskalpolitik beantwortet. Den Zusammenhang muss er vielleicht auch erst erklären. Aber sind nicht grundsätzlich alle Steuerberater die verlängerten Arme des Finanzamtes und ziehen sich dessen Schuhe schnell an :?: :roll:


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 BeitragVerfasst: Mi 7. Jun 2017, 18:08   
Rennleitung

Registriert: Mo 1. Nov 2010, 08:37
Beiträge: 1273
@Breeder,
danke für Ihren Hinweis, dies bedarf sicherlich wie Sie korrekterweise anmerken einer weitergehenden Erläuterung. Es ist mitnichten so, dass rein umsatzsteuerlich es eine französische bzw. deutsche Fiskalgesetzgebung gibt. Die Umsatzsteuer ist, als eine der wenigen Steuerarten, dem Gemeinschaftsrecht der EU unterworfen, und unterliegt damit in ihrer letzten Instanz dem EUGH. Insofern ist diese grundsätzliche Frage auf alle Umsatzsteuertatbestände in der EU letzten Endes gleich anzuwenden.

Allerdings muss man einwenden, dass inbesonders der deutsche Fiskus eine gewisse Spitzfindigkeit darin entwickelt hat, positive Entscheidungen der EU und des EUGH für den Bürger auf (kaltem) Verwaltungsweg wieder auszuhebeln.

Was Ihren letzten Satz betrifft, da muss ich Ihnen vollkommen zustimmen, darf aber ausdrücklich hinzufügen "leider"!


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 BeitragVerfasst: Mi 7. Jun 2017, 18:56   
Amateur

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Beiträge: 5
@carpediem

Einkommensteuerrechtlich wird es schwer, den Rennsport aus der Liebhaberei-Ecke herauszuholen. Aber die Definition des Unternehmers findet sich im Umsatzsteuerrecht:
„Unternehmer ist, wer eine gewerbliche oder berufliche Tätigkeit selbständig ausübt. Gewerblich oder beruflich ist jede nachhaltige Tätigkeit zur Erzielung von Einnahmen, auch wenn die Absicht, Gewinn zu erzielen, fehlt.“
Voraussetzungen: Gewerbe oder Beruf, selbständig, nachhaltig, Einnahmenerzielungsabsicht

Und wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, ist man Unternehmer. Und wenn man den Schwellenwert zur Pflichtumsatzsteuer wegen Geringfügigkeit nicht erreicht, kann man optieren.

Dabei hilft ein freundlicher Steuerberater.

Bonne chance!


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 BeitragVerfasst: Mi 7. Jun 2017, 19:56   
Rennleitung

Registriert: Mo 1. Nov 2010, 12:11
Beiträge: 1015
Die Reaktionen von Carpe diem und Breeder verdienen eine Antwort von mir. Also, der „Kommunist“ Racingman war früher mal Assistent eines Europa-Abgeordneten der CDU. Für viele Leute im Rennsport ist leider alles, was sich links von der CDU bewegt, schon bei Karl Marx angesiedelt.

Und was die Umsatzsteuer betrifft, habe ich nicht über große und kleine Rennställe gesprochen, sondern über den Unterschied zwischen Liebhaberei und unternehmerischem Handeln gemäß § 2 UStG. Als Student hatte ich einen aus einem einzigen gepachteten Galopper bestehenden Rennstall, den das Finanzamt wegen der fehlenden nachhaltigen Tätigkeit zur Erzielung von Einnahmen umsatzsteuerrechtlich eigentlich als Liebhaberei hätte einstufen müssen (als Zweijähriger wurde das Pferd geschont und erzielte somit im ersten Jahr überhaupt keine Einnahmen). Weil der zuständige Finanzbeamte aber sehr nett war, hat der das damals als Geschäftsbetrieb durchgehen lassen. Somit war die Mehrwertsteuer nur ein durchlaufender Posten für mich. Nach zwei Jahren war der Pachtvertrag für das Pferd abgelaufen, und viel länger hätte das Finanzamt das Spiel wohl auch nicht mitgemacht. Na ja, der Verlust war auch ohne MwSt. noch hoch genug.

Und nun zu den „reichen Leuten im Rennsport“. Ich bin gegen den in Europa immer noch üblichen, altmodischen Besitzer-zentrierten Rennsport, sondern für einen kommerziellen Rennsport nach amerikanischem Vorbild, in dem der Einfluss die Rennstallbesitzer auf eine Zulieferfunktion zurechtgestutzt ist. Das Problem des deutschen Galopprennsports besteht darin, dass die „reichen Besitzer“ an den Schalthebeln der Macht sich als eine abgehobene elitäre Clique gerieren und sich dann wundern, wenn der Turf in Bremen, Frankfurt und Neuss kein Bein auf die Erde bekommt.


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 BeitragVerfasst: Mi 7. Jun 2017, 20:08   
Rennleitung
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Racingman hat geschrieben:
Die Reaktionen von Carpe diem und Breeder verdienen eine Antwort von mir. Also, der „Kommunist“ Racingman war früher mal Assistent eines Europa-Abgeordneten der CDU. Für viele Leute im Rennsport ist leider alles, was sich links von der CDU bewegt, schon bei Karl Marx angesiedelt.


Falsch! Seit der Honecker-Trojaner am Ruder ist, ist die CDU schon Karl Marx!

v. Blücher


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 BeitragVerfasst: Mi 7. Jun 2017, 20:39   
Rennleitung
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Beiträge: 4956
Wohnort: Rheinprovinz/Preußen
@Carpe Diem
Bei der USt kommt es auf die regelmäßige Erzielung von Eeinnahmen an, nicht auf eine Gewinnerzielungsabsicht. Zu meinen Studenzeiten war das Beispiel der Mercedes-MA, die auch "Jahreswagenhändler" waren immer das Beispiel für die USt-Pflicht. Weil man regelmäßig einen Jahreswagen kaufte und verkaufte, lag eine regelmäßige Erzielung von Einnahmen vor und damit mußte eine USt-Erklärung erstellt werden.

v. Blücher


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 BeitragVerfasst: Mi 7. Jun 2017, 20:49   
Rennleitung

Registriert: Mo 1. Nov 2010, 08:37
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@Racingman,
diese USt-Bemerkungen führen jetzt allerdings das Thema an seinem eigentlichen Inhalt vorbei, deshalb wäre dies ein eigener Thread wert. Ansonsten einige sehr interessante Aspekte die Sie aufzeigen. Zumindest hat man in F einen Handlungsrahmen, den man abarbeiten kann. Mit welchem Erfolg wird sich zeigen und man hat vor allem das Problem erkannt.

Von diesem Zustand sind wir in diesem Lande noch weit entfernt. Jeder wurschtelt vor sich hin, nach dem Motto, jeder gegen jeden! Heraus kommt dabei, wir wir sehen eigentlich wenig, nun hat man auch noch das Tafelsilber verkauft und ist ohne jeden Einfluss auf das Wettgeschehen.
Insgesamt keine guten Auspizien, Besserung ist nicht in Sicht.

Ein wesentlicher Teil des Problems sind offenbar auch hierzulande die Sportwetten. Nur wie man diesem Produkt seitens des Rennsport begegnen könnte weiss offenbar niemand. Vlt. ist das derzeit in Bavaria diskutierte Thema, subventioniere mit Wohnbebauung den Rennsport, gar nicht so abwegig.


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 BeitragVerfasst: Mi 7. Jun 2017, 21:58   
Rennleitung

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Die Franzosen gehen die Sache wirklich mit viel Engagement und dazu mit einem integrierten Ansatz an. Seit drei Jahren schon besteht die gemeinsame Arbeitsgruppe „Rennsportmarketing“ mit Beteiligung der beiden Dachverbände der Galopper und Traber, dem französischen Gegenstück zur BGG als Rennbahn-Lobby, dem PMU und dem TV-Sender Equidia. Ein Ergebnis dieser Arbeitsgruppe besteht darin, dass die Zahl der Rennbahnbesucher um 30 % gesteigert werden konnte.

Ebenfalls seit drei Jahren gibt es auf der Vorzeigebahn Vincennes kostenloses WLAN überall auf dem Gelände. Mit Vincennes hat man große Pläne. Für dieses Hippodrom existiert eine eigene „Agenda 2025“, um es bis dahin zur Superbahn für die ganze Familie völlig umzugestalten. Bereits jetzt werden 155 Renntage pro Jahr veranstaltet, und in Zukunft will man offenbar zusätzlich Drittveranstaltungen mit einem modularen System, das die Größe der jeweiligen Veranstaltungsfläche bedarfsgerecht anpasst, dazu holen.


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 BeitragVerfasst: Do 8. Jun 2017, 09:04   
Rennleitung

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[quote="Racingman" Das Problem des deutschen Galopprennsports besteht darin, dass die „reichen Besitzer“ an den Schalthebeln der Macht sich als eine abgehobene elitäre Clique gerieren und sich dann wundern, wenn der Turf in Bremen, Frankfurt und Neuss kein Bein auf die Erde bekommt.[

Aus meiner Sicht etwas oberflächlich recherchiert. Richtig ist die Aussage, dass die (kommunistisch ausgdrückt reichen) Besitzer oder genauer die grossen Besitzer an den Schalthebeln der Macht sitzen. Dabei kann man Schalthebel wirklich wörtlich als Plural sieht. Denn die wenigen Entscheider sitzen fast alle an mehreren Hebeln. Dabei schalten die Hebel völlig unterschiedliche Funktionen, ein Baggerfahrer würde mit eine solchen Hydraulikschaltung nie ein Loch baggern können.
Nehmen wir Herrn Baum. Ein starker Hebel steuert seinen Rennverein, der Präsidentenhebel. Dann hat er noch den Hebel in der Besitzervereinigung, ein stabiler Hebel, der die Interessen als Züchter und Besitzer lenkt. Mit diesem Hebel kann man höhere Rennpreise, höhere Züchterprämien, geschickt organisierte und verteilte BT Rennen in Deutschland verlangen. Schon dieser hebel hakt, weil Hannover will seine Renntage selber bestimmen, sehr ehrgeizig und mit noch mehr Ellenbogen Renntage übernehmen. Und der Rennvereinshebel stellt sich langsam auf sparen, viele Jahre viel Geld in sehr gute Veranstaltungen, die leider dennoch Verluste bringen. Dann ist da noch der eigene Rennstall als Mieter des Rennvereins. Nochmal ein paar Hydraulik Hebel die gegeneinander wirken, wenn man nicht beide mit Kraft zusammen runterdrückt. Dann fehlt das nötige Hydrauliköl für die anderen Trainer, Mieter des Rennvereins. Gar nicht so einfach. Nun kommen noch die BV Haupthebel und die vielen kleinen Nebensteuerungen in der Norddt. BV, sehr vieles sehr lobenswert. Expertentag usw. Vertretung und Stärkung der kleinen Besitzer und Züchter, die mit Freisprungaktionen gelaunt gehalten werden. Brot für das Volk und Spiele. Wenn da nicht noch die Hebel als Vorstand der BBAG und als Besitzer des GEstüts wären. Die sind so stark mit Hydrauliköl versorgt, dass die KleineBesitzerZüchterLeitungBV schon lange nur noch die Freisprungtropfen abbekommt. Denn wo wollen sie die gezüchteten Pferde verkaufen? Die BBAG ist inzwischen voll in der Hand der Gestüte und professionellen Vorsteller. Auf der Frühjahrsauktion kann man gerade noch zwei (2) private Kleinzüchter finden. Und die ehemaligen OwnerBreeder Brümmerhof, Fährhof, und wie sie alle heissen sind inzwischen die alleinigen Anbieter. Naja, auf der Frühjahrs BBAG waren auch noch die gefühlte Hälfte ausländische Anbieter. Da sind natürlich noch ein Paar Hebel, vor allem in und rund um das DVR. Im Moment klemmen die noch, aber die sollen ja demnächst viele Millionen aus dem Racebets Deal bewegen. Welchen Hebel wird Herr Baum da steuern? Naja, ersteinmal ist ausgerechnet Andreas Tiedtke mit einem fachkundigem Gehilfen beaufttragt sich Gedanken über die Anlage zu machen. Und der kennt eigentlich nur einen Hebel, aber da ist der Schlauch schon öfter geplatzt und hilft dem Rennsport eigentlich nie.
Aber jetzt bin ich beim Baggern völlig vom Thema abgekommen: Racingman meint, dass die Kapitalistische elitäre Gruppe der Grossbesitzer sich wundert über Bremen, Frankfurt, Neuss.
Diese Ihre Meinung wundert mich. Da wundert sich niemand, naja in Frankfurt wird lokal noch einiges auf die Beine Gestellt, aber wir konnten doch schon vor Jahren lesen, dass es eigentlich gewollt ist, dass wir weniger Bahnen in Deutschland haben.
Und dabei sind wir noch gar nicht bei den wirklich grossen Hydraulikhebeln, vielleicht den zukünftigen Haupthebeln angekommen: Die steuern die Interessen der privaten Rennbahnen und der unter starkem Einfluss liegenden Bahnen.
Mehr Professionalität forderte Herr Baum in der Führungsstruktur des Rennsports. Ich hoffe auf noch möglichst lange ehrenamtliche Vereinsarbeit, da werden vielleicht noch nicht alle Hydraulikhebel von einer Person alleine bedient, da ist das Eigeninteresse noch begrenzter, da ist nicht so viel finanzielles Eigeninteresse vorhanden.
Bevor es in den falschen Hals kommt. Herr Baum hatte pech als Beispiel zu dienen, ich bewundere seinen Einsatz in seinem Rennverein und seine Leistungen, die er insbesondere in seinen Veranstaltungen bringt. Nur die vielen Heben, da kann mal leicht durcheinander kommen.
Es gäbe genügend andere Personen, die an mindestens ebensoviel verschiedenen Hebeln spielen, die man noch nennen könnte,.


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 BeitragVerfasst: Do 8. Jun 2017, 11:37   
Rennleitung

Registriert: Mo 1. Nov 2010, 12:11
Beiträge: 1015
Breeder, vielen Dank für Ihre ausführlichen Gedanken. Sie bevorzugen eine Struktur, die auf ehrenamtliche Arbeit setzt. Das ist legitim. Genauso legitim ist es, wenn jemand wie ich ein anderes Organisationsmodell bevorzugt. Als Anhänger des deutschen Grundgesetzes ist mir das Prinzip der Gewaltenteilung besonders wichtig. Wenn ich könnte, würde ich das als erstes im Direktorium einführen, also eine klare Trennung von Legislative, Exekutive und Judikative.

Bis jetzt ist es doch so, dass ein Großkopferter im Direktorium zuerst im Zimmer der Besitzervereinigung geeignete Lobbyingvorschläge für das Besitzerlager austüftelt, anschließend geht er rüber ins Sitzungszimmer und stimmt in der Mitgliederversammlung über eine entsprechende Änderung der Rennordnung ab, und schlussendlich nimmt er im Renngericht auf der Richterbank Platz und urteilt über die Anwendung der Rennordnung. So ein Zustand ist für mich ein rotes Tuch. Also Schluss mit den Mehrfachfunktionen. Gerade wenn man wie ich private Investoren als kommerziell ausgerichtete Rennbahnbetreiber begrüßt, dann braucht man einen starken, unabhängigen Dachverband in der Manege als Dompteur für die Raubtiere. Es ist doch ein Witz, wenn der Rennbahnbetreiber Jacobs vom DVR-Kardinal Jacobs beaufsichtigt wird.

Unser Exportartikel WEB ist erst in Hong Kong richtig erfolgreich als Turfmanager geworden, weil da eben der Deckel WEB auf den Topf HKJC passt. Zuvor im Direktorium wollte er nicht mitklüngeln und hat sich im Proporzstadl aufgerieben. Eine Änderung des Organisationsmodells des deutschen Rennsports ist keine Frage der Ideologie, sondern einer erfolgreichen Unternehmensführung.


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 BeitragVerfasst: Do 8. Jun 2017, 14:27   
Rennleitung

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Beiträge: 1273
@Breeder & Racingman,
sehr interessante Ausführung die hier (leider) Mangelware sind. Ich denke auch, dass der Rennsport in der hiesigen Organisationsstruktur nicht überlebensfähig ist. Er ist in einer Art und Weise konstruiert, dass sich die unterschiedlichen Interessengruppen gegenseitig blockieren können bzw. nur eine Einigung auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner möglich ist und der ist, wie wir leider allzu gut wissen, oft nur der Fakt gar nix zu tun!

Das völlig groteske an dieser Situation ist, dass die ein- und selben Person, quasi wie beim Karneval in eine andere Identität schlüpfen können und das war gerade beabsichtigt wird zu tun, so auch gerade wieder bloykottiert werden kann. Alle Versuche diese Zustände zu ändern sind bisher grandios gescheitert, oder aber sang- und klanglos verschwunden. Deshalb ist der überwiegende Teil dieser ganzen Versammlungen, Ausschüsse, Kommissionen, Arbeitskreise etc. für die Katz und reine Zeitverschwendung, da ausser heisser Luft nix herauskommt.


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 BeitragVerfasst: Do 8. Jun 2017, 15:49   
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Beiträge: 4956
Wohnort: Rheinprovinz/Preußen
@Carpe Diem
Da ist viel Wahres dran. Das Problem scheint mir, daß alles durch Gremien entschieden wird, die sich nur indirekt einer Wahl stellen müssen.

Was dem Rennsport derzeit fehlt, ist eine offene Diskussion über Vorschläge und Lösungsansätze, um Besserung zu erreichen. Es gibt nach meinem Wissen keine Bestandsaufnahme zum Status quo, kein fundiertes Wissen über die Wünsche des Publikums, wie man sich Rennsport denn wünscht. Wir müssen vor allem das Publikum erreichen, sowohl als Besucher der Rennbahn, denn über volle Häuser wird berichtet als auch als Wetter, denn der Wetter füllt die Kassen. Und wenn ich am Bahntoto mich an eine lange Schlange von "Kleingeldwettern", die dann die Groschen vorzählen, anstellen muß, dann wette ich eben lieber im Internet, denn ich bekomme die gleiche Quote.

Was soll denn mit dem "vielen Geld" geschehen. Für den Rennsport ist es eine große Summe, mehr als die Jahresdotierung aller Rennen in Dtld, aber objektiv gesehen ist es Kleingeld, ein Investitionsprogramm für die nicht mehr so hübschen Bahnen kann man damit nicht fahren. Marketing kann man auch nur begrenzt machen und dann stelle man sich mal vor, da kommen viele Menschen und finden eine überforderte Infrastruktur mit langen Schlangen an allen Verpflegungsständen und Kassen vor. Kommen die wieder?

Vom Preisniveau sind wir international zweite Liga. Wir werden wohl nie einen Arc-Sieger oder einen King George Sieger nach Deutschland locken, aber früher kamen respektable Pferde aus dem Ausland und es waren auf dem Gruppe-Level echte Klasse-Felder unterwegs. Heute kommt mal einer, der aber zu Hause mindestens eine Liga unter dem Level läuft, als er dann in Dtld läuft. Das paßt alles nicht mehr. Das ist nicht wirklich internationaler Klassepsort. Da kann German-Racing noch so oft, vom Gruppe-Highlight schreiben. Es sind keine High-Lights mehr. Es sind einfach bessere Rennen, die für die Züchter natürlich einen Wert haben, aber wo sind da für das Wettgeschäft die offenen Fragen. Was ist die Form des Franzosen oder Engländers wert im Vergleich zu unseren Formen. Etc. etc.

Wie soll es denn in Zukunft weiter gehen. Machen wir es wie in England, starke Bahnen mit Publikum (wetten ist in Britannien anders organisiert), die relativ autark sind, eigene Sponsoren akquirieren und einem DVR, das Marketing für die Marke Galopprennen organisiert, aber die Verantwortung des Geschäfts bei den Vereinen läßt oder fahren wir ein französisches Modell mit den Bahnen als Veranstalter und einer zentralen Steuerung des Sports und der finanziellen Verantwortung bei der Zentralgewalt.

Es ist eigentlich das politische Modell beider Staaten, einmal ein föderaler Gedanke und dann der französische Zentralstaat. Deutschland war immer ein föderaler Staat, was auch historisch bedingt ist und eigentlich sollte man dieses Modell mit einem gewissen LFA auch weiter so gestalten.

Aber jede Struktur muß auch mit Leben gefüllt werden - und der letzte große Coup des DVR, nämlich die Champions-League hat kommerziell nach meiner Auffassung keine Besserung gebracht.

v. Blücher


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 BeitragVerfasst: Fr 9. Jun 2017, 10:04   
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Registriert: So 31. Okt 2010, 22:46
Beiträge: 381
Wohnort: HAMBURG
blücher
Einige der von Ihnen angesprochenen Probleme kann man diskutieren - vielleicht erklären: Gerade das Anstehen an den Kassen ist ein Phänomen, welches nicht immer vorhersehbar ist. Das Wetter ist gut, der Hunger auf Grasrennen spornt an, die Bahn voll - zu wenig Kassen. Anders als an einer Pommes Bude sind die Totokassen frühzeitig gebucht und geplant, es ist nicht möglich im letzten Moment oder sogar während einer Veranstaltung noch ein paar Kassen mehr "aufzumachen". Und einige Forderungen widersprechen sich: Zwei mobile Kassen von freundlichen jungen Damen an den Tisch getragen kosten zwei andere Kassen am Schalter. In Hamburg werden wir es wieder mit einigen "Schnellschaltern " versuchen, wo ohne Wettzettel ansagt wird. Aber die richtige Lösung findet man hierzu auch nicht im Mutterland England. Beim JulyCup, vor allem am Ladiesday finden sich Schlangen an, die wir uns gar nicht vorstellen können - und die Leute wetten dabei teilweise auf das übernächste _Rennen! Vielleicht stehen die Engländer gern an....
Selbstverständlich ist Deutschland von den Preisen und der Menge der GrandPrix Pferde nicht an der Spitze. Das wird sich auch nicht ändern und das gehört doch auch nicht zu den primären Aufgaben. Da laufen die Engländer, Irländer und begrenzt die Franzosen in einer anderen Liga. Wenn wir dort anklopfen wollen - oder wie Andreas Wöhler es sogar wagt in USA und Australien, dann jammern wir auf ganz hohem Niveau.
Für die Champions-League gab es zur Zeit der Erfindung kein Geld. Sicherlich eine komische Champions-League. Aber besser als Keine. Denn das mediale Interesse war schon einmal da - zusätzlich.


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